Konfigurationsdateien

„Alles ist eine Datei“ ist einer der grundlegenden Aspekte der Linux-Philosophie. Und das heißt wirklich alles: eine Festplatte, eine Netzwerkkarte, ein Programm, usw.. Diese Philosophie wird in allen Bereichen auftreten. Nach dem man sich damit vertraut gemacht hat, wird sie die Bedienung des Betriebssystems einfacher und v. a. überschaubarer machen.

An einem einfachen Beispiel wird diese Philosophie und der Umgang mit Dateien nun aufgezeigt. In allen Programmen kann man Einstellungen machen, z.B. kann man in einem Browser die Startseite festlegen oder beim Anmeldebildschirm das Hintergrundbild. Diese Einstellungen müssen gespeichert werden, damit sie beim nächsten Systemstart wieder verfügbar sind. Für die Einstellungen werden Dateien, die Konfigurationsdateien, verwendet. Das sind in fast allen Fällen einfache Textdateien.

Einfaches Beispiel

Im Nautilus-Dateibrowser befinden sich in der linken Spalte Lesezeichen zu oft verwendeten Ordnern, wie z. B. „Persönlicher Ordner“, „Dokumente“, „Downloads“. Man kann hier weitere Lesezeichen hinzufügen, indem man in irgendeinen Ordner navigiert und dann in der Menüleiste Lesezeichen –> Lesezeichen hinzufügen wählt.

  • Lege nun irgendwo einen Ordner an. Füge ihn als Lesezeichen hinzu, indem man ihn öffnet und „Lesezeichen –> Lesezeichen hinzufügen“ wählt.
  • Öffne danach das Homeverzeichnis, und blende über „Ansicht –> Verborgene Dateien anzeigen“ die versteckten Dateien ein. Nun sieht man in dem Verzeichnis Dateien, die mit einem Punkt (.) beginnen. Das sind die Dateien, die standardmäßig ausgeblendet werden, damit der Ordner etwas übersichtlicher aussieht. Hier findet man die Datei .gtk-bookmarks. Öffne diese Datei mit einem Texteditor. Darin findet man dann alle Ordner aufgelistet, die als Lesezeichen in Nautilus dargestellt werden:
    .gtk-bookmarks
    file:///home/user/Dokumente
    file:///home/user/Musik
    file:///home/user/Bilder
    file:///home/user/Downloads
    file:///home/user
    file:///home/user/test

    In diesem Fall wurde der Ordner /home/user/test hinzugefügt, die anderen Dateien sind standardmäßig als Lesezeichen eingerichtet.

  • Löscht man nun eine dieser Zeilen aus der Datei und speichert die Datei danach, wird dieser Ordner sofort aus der Lesezeichenliste von Nautilus entfernt.

Und noch ein Beispiel

Im Homeverzeichnis befindet sich ein Ordner .mozilla. Darin befindet sich der Ordner firefox. Darin wiederum ein Ordner mit einem zufälligen Namen, in der Form n9o179m9.default.

  • Öffne diesen Ordner und danach die Datei prefs.js. Das ist die zentrale Konfigurationsdatei (engl. preference) für Firefox.
  • Suche in dieser Datei die Zeile
    user_pref("browser.startup.homepage", "www.utorial.org");

    (Der zweite Eintrag muss nicht unbedingt www.utorial.org sein). Dieser Eintrag legt die Startseite fest.

  • Ändert man hier die Adresse, so ist beim nächsten Neustart von Firefox diese Adresse die neue Startseite. Diese Konfigurationsdatei wird erst ausgelesen, wenn das Programm gestartet wird.

Das Verzeichnis ''/etc''

Die Konfigurationsdateien im Homeverzeichnis legen die benutzerspezifischen Einstellungen eines Programms fest. Jeder Benutzer hat ein solches Homeverzeichnis, und somit kann auch jeder Benutzer z.B. eigene Lesezeichen im Dateibrowser und eine eigene Startseite im Firefox festlegen. Dies ist z.B. auch sehr nützlich, wenn man auf einen anderen Rechner wechselt. Man kann dann das Homeverzeichnis hierher kopieren, und alle Einstellungen sind wieder vorhanden.

Es gibt aber Einstellungen für Programme, die global sind, d. h. unabhängig vom Benutzer gelten. Diese Konfigurationsdateien liegen im Ordner ''/etc''.

Für die folgenden Beispiel muss der Dateibrowser Nautilus mit root-Rechten (Administrationsrechten) ausgeführt werden. Dazu gibt man im Terminal

gksudo nautilus 

ein.

Beispiel

  • Öffne zunächst über Nautilus, z. B. über einen Klick auf Dateisystem in der Seitenleiste, die oberste Ebene des Dateisystems. Navigiere danach in den Ordner firefox. Öffne dann die darin enthaltene Datei syspref.js.

Obwohl etwas in der Datei steht, ist der Inhalt der Datei wirkungslos, da er mit auskommentiert wurde. Wird die Datei von Firefox gelesen, werden die Zeilen die mit beginnen ignoriert. Man kann in dieser Datei systemweite Einstellungen für Firefox vornehmen.

  • Ergänze z. B. die Zeile
    lockPref("browser.startup.homepage", "www.ubuntu.com");

    (Ggf. ist diese Zeile auch nicht vorhanden, dann kann man sie einfach einfügen.) Dieses legt, wie im letzten Abschnitt, wieder die Startseite fest. Nur diesmal gilt diese Startseite für jeden Benutzer. Der Benutzer kann die Startseite auch nicht ändern. Damit die Änderungen wirksam werden, muss Firefox neu gestartet werden.

Computername

In der Datei /etc/hostname kann man den Hostnamen, also den Computernamen, des Rechners festlegen. Öffnet man die Datei mit root-Rechten, kann man einen neuen Rechnernamen eingeben.

Jeder Rechner besitzt neben dem Computernamen noch eine IP-Adresse, eine Nummer die ihn eindeutig im Netzwerk identifiziert. Da Zahlen für einen Computer einfacher zu handhaben sind als Namen, wird bei einer Netzwerkverbindung stets die IP-Adresse genutzt. Die Auflösung von Computernamen in IP-Adresse übernimmt in größeren Netzwerken ein DNS-Server (von Domain Name System, siehe auch DNS - Das Domain Name System). In kleineren Netzwerken reicht es, wenn man die IP-Adressen mit dem zugehörigen Computernamen in der Datei /etc/hosts einrägt. Hier muss man dann ebenfalls den neuen Computernamen durch den alten ersetzen.

Beim nächsten Neustart oder durch Ausführen von

sudo hostname -F /etc/hostname 

wird der neue Computername gesetzt.

Diskussion

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grundlagen/konfigurationsdateien.txt · Zuletzt geändert: 2012/10/29 10:54 von admin