Serverdienste

Serverdienste

Auf der einen Seite beschreibt der Begriff Server die Hardware. Dieses kann ein normaler PC sein. Bei größeren Installationen, wie z. B. Webservern oder Fileservern, sind sie umfangreicher ausgelegt. Die verbauten Teile sind größer dimensioniert und außerdem ist z. B. die Festplatte auf den Dauerbetrieb ausgelegt.

Auf der anderen Seite beschreibt der Begriff Server aber auch die Software. Es gibt Server für die unterschiedlichsten Anwendungen:

  • Webserver können HTML-Seiten an Clients senden und Scriptsprachen ausführen.
  • Mailserver stellen die gängigen eMail-Funktionen zur Verfügung.
  • DHCP-Server verwalten und verteilen IP-Adressen.
  • LDAP-Server ermöglichen eine zentrale Benutzerverwaltung in einem Netzwerk.
  • Im Kapitel Netzwerkfreigaben-und-NFS wurde bereits der nfs-Server verwendet.
  • uvm.

Für alle diese Anwendungen gibt es Programme, die den Serverdienst zur Verfügung stellen. Dabei können auch alle diese Programme auf einem Computer bzw. Server laufen. Dieser bietet dann alle diese Serverdienste an. Der Artikel Serverdienste gibt eine Übersicht über die Serverdienste und die zugehörige Software.

Ports

Damit es möglich ist, auf einem Rechner unterschiedliche Programme für unterschiedliche Server (Aufgaben) zu verwenden, muss es neben der IP-Adresse noch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal geben, mit dem man dann den entsprechenden Serverdienst ansprechen kann. Dieses wird durch Ports realisiert. Mit der IP-Adresse wird ein bestimmter Rechner angesprochen, mit dem Port kann man bestimmen, welches Programm z. B. den eintreffenden Datenstrom bekommen soll.

Dies kann man sich wie einen Hafen vorstellen: Es gibt Anlegestellen für Containerschiffe, Fähren, Fischerboote, …. Alle nutzen denselben Hafen (IP-Adresse), verwenden aber eine andere Anlegestelle (Port).

Ein Internetbrowser z. B. benutzt den Port 80. Ein ssh-Server lauscht auf dem Port 22. Ein Proxy-Server auf Port 3128, usw..

Eine Firewall dient dazu, bestimmte Ports zu schließen, um das eindringen von Schadsoftware zu verhindern. Unter Linux kann man aber auch direkt Ports schließen und nur die, die man tatsächlich benötigt öffnen. Der Artikel Sicherheitskonzepte gibt einen Überblick darüber.

Server im Netzwerk

Es gibt im wesentlichen zwei Möglichkeiten einen Server in das Netzwerk zu integrieren.

  • Er kann als Gateway eingesetzt werden. Dann befindet sich der Server zwischen dem lokalen Netzwerk und einem anderen Netzwerk (meistens dem Internet). In diesem Fall benötigt der Server mindestens zwei Netzwerkkarten.
    Ein Server mit Gateway-Funktion kann z. B. als Firewall und transparenter Proxy dienen. Er kann natürlich auch alle anderen Funktionen wie z. B. DNS-Server, DHCP-Server, Benutzerverwaltung, usw. übernehmen.

Server als Gateway

  • Er kann sich „wie ein Client“ im Netzwerk befinden. Der Server benötigt dann nur eine Netzwerkkarte. Dieser Server kann dann keine Gatewayaufgaben übernehmen (wie z. B. Firewall, transparenter Proxy), aber alle anderen Dienste sind möglich. Als Gateway dient dann z. B. ein normaler DSL-Router.

Server im Netzwerk

Man kann auch die Server-Dienste auf mehrere Server verteilen. Dies ist in großen Netzwerken notwendig, da sonst die Auslastung der einzelnen Server zu groß ist. Mehrere Server im Netzwerk. Die einzelnen Server übernehmen verschiedene Aufgaben.

Generell kann auch ein Client Serveraufgaben übernehmen. Dies ist auch öfter der Fall als man denkt. Gibt man auf einem Client einen Order frei, so arbeitet er schon als Dateiserver.

Webserver

WebserverEin Webserver hat die Aufgabe Webseiten an den Client zu senden. Außerdem kann er Programm in bestimmten Programmiersprachen, wie z. B. php oder python, ausführen.

Eine einfache Webseite besteht aus einer *.html-Datei mit dem folgenden Inhalt

<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN" "http://www.w3.org/TR/html4/strict.dtd">
<html>
  <head>
    <title>Titel der Webseite</title>
  </head>
  <body>
    <p>Inhalt der Webseite</p>
  </body>
</html>

Wird diese Seite durch einen Client angefragt, sendet der Webserver den Inhalt dieser Datei (und einige weitere Informationen) an den Client zurück, Im Browser wird diese html-Datei dann für den Benutzer lesbar dargestellt.

Funktionsweise eines Webservers.

apacheEs gibt mehrere Programme, mit denen man einen Webserver realisieren kann. Der im Internet am häufigsten verwendete ist der Apache-Webserver. Dieser kann einfach über die Paketverwaltung installiert werden. Danach muss man ggf. noch einige Konfigurationen in den entsprechenden Dateien vornehmen und Zugriffsrechte setzen. Im Ordner /var/www/ kann man dann die Webseiten ablegen.

Übung

Übung

Übung

  1. Installiere den Webserver wie im Artikel Apache beschrieben.
  2. Lege eine beliebige Webseite im Verzeichnis /var/www ab und versuche diese von einem anderen Rechner aus aufzurufen.

Befindet sich der Computer hinter einem Router und möchte man es erreichen, dass der Webserver auch aus dem Internet erreichbar ist, so muss man eine Portweiterleitung einrichten.

FTP-Server

FTP (File Transfer Protocol) ist ein Protokoll, das die Übertragung von Dateien ermöglicht. Ein FTP-Server nutzt dieses Protokoll, um auf Anfragen die entsprechenden Dateien an den Client zu senden. Es gibt wieder zahlreiche Programme, mit denen man einen FTP-Server realisieren kann. Ein kleiner sicherer FTP-Server ist vsftpd (Very Secure FTP Daemon).

Im Nautilus-Dateimanager kann man einfach in der Adresszeile

ftp://COMPUTERNAME

eingeben, um auf einen FTP-Server zuzugreifen.

Übung

Übung

Übung

  1. Installiere und konfiguriere den Server zunächst wie im Artikel vsftpd beschrieben.
  2. Greife von einem anderen Rechner auf den ftp-Server zu. Im Nautilus Dateibrowser gibt man dazu einfach
    ftp://COMPUTERNAME

    in der Adresszeile ein.

DHCP-Server

Im Abschnitt IP-Adressen automatisch beziehen wurde schon erklärt, dass man IP-Adressen und andere Einstellungen für das Netzwerk automatisch beziehen kann. Diese Aufgabe übernimmt ein DHCP-Server. Clients die eine IP-Adresse automatisch beziehen „fragen“ (sog. Broadcast) beim Herstellen einer Netzwerkverbindung im gesamten Netzwerk nach, ob jemand eine IP-Adresse und sonstige Informationen senden kann. Gibt es einen DHCP-Server, antwortet dieser.
In einem Netzwerk sollte es nur einen DHCP-Server geben, da es sich um einen Broadcast handelt und somit alle Rechner des Netzwerks angesprochen werden. Bei mehreren DHCP-Servern kann man so nie festlegen, welcher antworten wird. Der schnellere würde gewinnen. Der Abschnitt Zentyal/DHCP beschreibt, wie man einen DHCP-Server mit Zentyal einrichtet, der Artikel ISC-DHCPD erläutert die Installation und Konfiguration des oft verwendeten ISC-DHCP-Servers.

Proxy-Server

Proxy-Server

Proxy im Firefox angeben (Über Einstellungen > Erweitert > Einstellungen…

Ein HTTP-Proxy speichert Webseiten in einem Cache zwischen. Wird von einem Rechner in einem Netzwerk ein Webseite angefragt und läuft die Anfrage über einen Proxy-Server, so speichert der diese Seite zunächst in seinem Cache und sendet sie dann weiter an den Client. Ruft nun ein zweiter Client diese Seite auf, so kann der Proxy diese Seite direkt aus einem Cache nehmen und an den Client senden. Somit muss die Seite nicht zweimal aus dem Internet geladen werden.

Der Proxy kann entweder direkt im Browser konfiguriert werden, die Abbildung rechts zeigt das Vorgehen beim Firefox-Browser, oder systemweit eingerichtet werden. Der Artikel Proxyserver zeigt das Vorgehen.

Die folgende Abbildung zeigt die Funktionsweise eines Proxy-Servers nochmal im Überblick:

Funktionsweise eines Proxy-Servers

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netzwerk/serverdienste.txt · Zuletzt geändert: 2013/02/09 15:08 von admin